Von November 2023 bis März 2024 begleitete soft power Zeal Studios als Mentorinnen bei ihrer selbst initiierten und selbst organisierten 4-monatigen Residency. Die Künstlerinnen Laura Radzewicz, Lena Peplińska, Lea Dippold, Lisa Dieterle, Veronika Marxer und Vera Kamea setzten sich dabei rund um den Begriff der vernetzten Technologie kritisch mit den Themen Fan- und Autofiktion, technischer Imagination und posthistorischer spiritueller Praxis auseinander.
Während der Residency suchte Veronika Marxer nach Wegen, die einzigartigen Erfahrungen des “being a girl online” und des Aufwachsens als Mädchen im Internet zu erfassen. Ebenfalls in Bezug auf Kindheitserfahrungen befasste sich Vera Kamea mit der Figur Kim Possible, einer der wenigen weiblichen Hauptfiguren in der Fernsehgeschichte der frühen 2000er Jahre, und machte Kim Possible zu einer Sprecherin für Erfahrungen von Realitätsflucht, Hoffnung und Schutzräumen. Lea Dippold setzte sich mit solchen Sehnsüchten nach Verbundenheit via Fandom, Eskapismus, Besessenheit und Substitution auseinander und lud dafür öffentliche Figuren – die ihre besten Freund*innen, Lovers, Vertraute und Inspirationen waren und sind – als Identifikations- und Projektionsflächen ein. Lisa Dieterle wagte sich während der Residency ebenfalls in Bereiche der Ambiguität, der Transformation und des Zusammenspiels zwischen Imagination und Realität vor: in Form einer zeitgenössischen Neuinterpretation alemannischer Fasnachtsmasken – einer Tradition, die tief in der Fasnachtszeit verwurzelt ist und emotionale Befreiung feiert. Xtreme Girl (Laura Radzewicz und Lena Peplińska), als erzählendes Maskottchen eines Tech-Unternehmens, versuchte währenddessen in einer Reihe von Video-Essays die Ursachen identitärer Verzweiflung zu entschlüsseln und stellte dabei die Frage, was das echte “Selbst” ist und wie es in einer endlosen kybernetischen Rückkopplungsschleife mit reinen Daten verschmelzen könnte.
Zeal Studios wurde 2023 von Veronika Marxer und Vera Kamea mit dem Ziel gegründet, junge Künstler*innen in ihrer Karriereentwicklung und Sichtbarkeit zu unterstützen, indem sie ihnen Ressourcen und eine Plattform sowie eine dynamische Gemeinschaft bieten. soft power begleitete das von Erasmus+ unterstützte Residency-Programm in gemeinsamen Mentoring-Sessions, die sich auf die künstlerische Projektentwicklung, das Projektmanagement, das Verfassen von Artist Statements und Textbeiträgen, sowie auch kuratorische Fragestellungen konzentrierten. Die Residency mündete in der Gruppenausstellung You are always at the beginning & always at the end, die am 28. März 2024 bei Council+ eröffnet wurde (kuratorisches Team: Émonie Fay Chetwin, Tim Rosenbaum und Mike Morlock).