It’s my house

Sangun Ho

In Anlehnung an Diana Ross’ ikonischen Hit It‘s my house beschäftigte sich Sangun Hos Einzelausstellung bei soft power mit den Details, die unser Alltags­­leben an der Oberfläche bestimmen. Die romantische Begegnung zweier Tauben auf einem Bürgersteig; ein verlassenes Kissen, das gemütlich auf einem Fensterbrett ruht; ein kleiner Hund, der über die Kante des Frühstückstisches lugt; eine Flasche, die sich unter dem Kühlschrank versteckt – Sangun Ho fängt diese Momente, denen wir alle jeden Tag begegnen, ein. Er sammelt und akkumuliert diese Fragmente auf eine schnappschussartige Art und Weise und hält ihre flüchtige Präsenz an, indem er jedem von ihnen die konzentrierte Aufmerksamkeit schenkt, die seine detaillierten Handzeichnungen verlangen.

Als Gesamtwerk scheinen diese täglichen Zeichnungen die „reale Welt“ zu repräsentieren, und doch kreiert der Künstler dabei eine Welt für sich. Oftmals unterwegs aufgenommen, auf dem Weg zum Atelier, oder nach Hause, verweisen Sangun Hos Motive auf die Schönheit, die den seltsamsten Situationen innewohnt. In seinen Beobachtungen gibt es keine Hierarchie zwischen re­­alen Begegnungen, Szenarien, die sich auf einer ima­­gi­nären Ebene abspielen, oder Fragmenten eines Tagtraums, die jemand anderes ihm erzählt hat. Sie wurden gleichermaßen „aus der visuell lauten Welt herange­zoomt und murmeln ihre eigenen unklaren, aber über­zeugenden Geschichten.“1 Was für andere wie ein beiläufiges Ereignis erscheinen mag, birgt für Sangun Ho das Potenzial für „das wesentlichste aller Vergnügen.“ Nun haben wir kollektiv die Erfahrung gemacht, auf unser Zuhause beschränkt zu sein, auf unsere täglichen Wege zur Arbeit und zurück, auf Routinen, die vielleicht nicht über den gelegentlichen Gang zum Supermarkt hinausgehen. Unser Blick für diese zufälligen Ereignisse hat sich möglicherweise geschärft, oder wir haben ihn ganz in Gleichgültigkeit verloren. Sangun Ho lädt uns ein, in die präzise Zufälligkeit eines jeden solchen Moments hineinzuzoomen; er lädt uns ein in seine Welt, manchmal buchstäblich in sein Haus.

Im Rahmen der Ausstellung bei soft power eröffnete der Künstler erstmals in Deutschland sein Hosangun Reproduction Office. In diesem fortlaufenden Projekt lädt Sangun Ho das Publikum dazu ein, solche Schnappschuss-Momente, Erinnerungen an den Traum der letzten Nacht oder sogar ein persönliches Geheimnis mit ihm zu teilen. Der Künstler fertigt daraus eine postkartengroße Zeichnung an, die er schließlich an die jeweiligen „Autor*innen“ schickt, um die Produktion des Werkes abzuschließen. Während der gesamten Dauer der Ausstellung war das Hosangun Reproduction Office geöffnet, um Besucher*innen zu empfangen und ihren verirrten Geschichten ein Zuhause zu geben.

Anlässlich der Ausstellung produzierte Sangun Ho die Edition Love of Pigeons, 2022 (420 x 297 mm, fine art print on mediaJET Litho Archiv mat, 30 + 3 AP) im Auftrag von soft power und in Kollaboration mit Contemporary Artist Things.

Zeitraum
30.4.–22.5.2022
Gefördert von
Gwärtler Stiftung
Fördersumme
5.000 €
Arbeitszeitraum
1.2.–30.5.2022
Mit Dank an
Nora Cristea, Wooseok Jang, Heeji Kim, Jinhee Kim, Georgios Konstantoulakis, Alina Schmuch, Frances Scholz, Young-jun Tak, 44INCH Printworks & Leon
Fotos
Marina Hoppmann