Löffeln in 4 Akten: Born with a silver spoon war der Titel der diesjährigen Mitgliederversammlung von soft power, einem Abend gestaltet von Hannah Lilith Kuhlmann und Susan Abu Baker, der sich um den Löffel drehte – als Werkzeug, Objekt und Symbol. Jedes der Mitglieder wählte einen Löffel (oder der Löffel wählte sie) zum Beginn einer gemeinsamen Reise durch vier Akte und sechs Gänge, die von Susan Abu Baker (Essen) und Hannah Lilith Kuhlmann (Objekte) inszeniert wurden.
Der Löffel gilt als das älteste und simpelste Essutensil. Er ist eng mit dem Akt des Fütterns und des Gefüttertwerdens verbunden und steht oft symbolisch für Zärtlichkeit und Liebe (siehe: „Spooning“); ein Symbol für Schutz und die Weitergabe des Lebens. Er steht auch für die Fürsorge für andere und das Teilen von Ressourcen. In vielen Kulturen ist das gemeinsame Benutzen eines Löffels ein Zeichen von Verbundenheit oder Gastfreundschaft und symbolisiert ein Gefühl von Gemeinschaft: Die Redewendung „To stir with the same spoon“ („Mit demselben Löffel umrühren“) drückt aus, dass man sich für eine gemeinsame Sache einsetzt, sich als Kompliz*innen versteht und sich gegenseitig unterstützt – eine Inspiration für das Mitgliedschaftsmodell von soft power. „No spoon big enough to stir that pot“ („kein Löffel groß genug, um diesen Topf umzurühren“) wird als Redewendung hingegen verwendet, um eine Situation oder ein Problem zu beschreiben, das so kompliziert oder chaotisch ist, dass es nicht gelöst werden kann: ein Gefühl der Frustration und Ohnmacht, das viele von uns im Kontext der aktuellen politischen Lage und der vielfältigen globalen und lokalen Krisen empfinden. Wir glauben, dass unabhängige künstlerische Räume und Initiativen angesichts dieser aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen unverzichtbar sind. Wahrscheinlich sind wir nicht groß genug, um den ganzen Topf umzurühren, aber gerade deshalb muss es viele von uns geben.
Mit dem Titel Born with a silver spoon setzt soft power den Ansatz fort, die jährliche Mitgliederversammlung auch zum Anlass für eine spielerische Anlehnung an – und Abgrenzung zu – der zutiefst bourgeoisen historischen Verortung des Modells „Kunstverein“ zu nehmen und stattdessen sein Potenzial als Forum für Selbstorganisation und Demokratisierung zeitgenössischer Kulturproduktion in den Mittelpunkt zu stellen. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern wollen wir den Kunstverein als öffentlichen Raum verstehen, in dem eine aktive, selbstorganisierte und kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und den Bedingungen ihrer Produktion, Rezeption und Besitzverhältnisse stattfinden kann.