BLOOD FALLS, you conque(e)r my heart

Margarete Luise Kiss

Mit BLOOD FALLS, you conque(e)r my heart präsentiert Margarete Kiss Szenen aus ihrem gleichnamigen Text, der Verlust, Erinnerung und Sehnsucht in der schmelzenden Landschaft der Antarktis thematisiert. Die scheinbar unberührte, extreme Natur der Antarktis wird zum Symbol eines unstillbaren Verlangens nach Erinnerung – ein Begehren, das mit jeder Annäherung weiter zerrinnt und sich aufzulösen scheint. 

Zentrales Motiv der Ausstellung sind die Blood Falls, ein mikrobiologisches Ökosystem am Taylor-Gletscher in der Antarktis. Aus einem subglazialen See, in dem der Gelidimuriae-Bakterienstamm seit 1,5 Millionen Jahren überlebt, tritt Wasser an die Oberfläche. Ursprünglich klar, färbt sich das Wasser rot, sobald es mit Sauerstoff in Kontakt kommt – eine Reaktion, bei der das enthaltene Eisen oxidiert und Eisenoxide entstehen.

BLOOD FALLS, you conque(e)r my heart ist eine Lovestory auf vielen Ebenen, die die Suche nach Verbundenheit und Relationalität in Momenten von Schmerz und Isolation symbolisiert. Sie thematisiert die Flucht in intensive Emotionen, das Spannungsfeld zwischen Verlangen und Zerstörung. Die Anpassungsfähigkeit der Gelidimuriae-Bakterien an ihre eiskalte, nährstoffarme Umgebung wird dabei zum Gegenentwurf zu den Heldengeschichten der Antarktis – Erzählungen, in denen Gewalt und Ausbeutung oft verschleiert werden. In der Installation nimmt diese Suche Gestalt in einer immersiven Landschaft an. Am Horizont flimmert die Silhouette der Blood Falls, schwebend zwischen Realität und Imagination. Der Boden ist mit einem großflächigen Teppich aus Tierimitaten bedeckt, der verführerisch und abstoßend zugleich wirkt. Darauf liegen Fragmente von Textzeilen, mikroskopische Aufnahmen und Bandshirts, die eine Atmosphäre zwischen Teenagerzimmer, Schneelandschaft und Labor schaffen. Dieses fragile, widerständige Bild wird ergänzt durch eine Sammlung von YouTube-Snippets, die weinende Teenager aus den frühen 2000er Jahren zeigen, die ihre Emotionen vor der Kamera teilen. Diese Videos bringen nicht nur eine Form des Voyeurismus ins Spiel, die an das passive Beobachten der Klimakrise erinnert – eine Faszination für Zerstörung ohne direkten Eingriff – sondern spiegeln auch eine persönliche Selbstidentifikation der Künstlerin mit dieser Zeit wider.

Die Installation widmet sich nicht nur dem visuellen Phänomen der Blood Falls, sondern versteht dieses als Metapher für die komplexen Verflechtungen von Schönheit, Schmerz und Widerstand – und deren zeitliche Dimensionen. Der Text BLOOD FALLS, you conque(e)r my heart, der in Form eines Zines ebenfalls in der Ausstellung erhältlich sein wird, bietet eine intime Reflexion über den eigenen Schmerz im Spiegel der Geschichte. Die wiederkehrende Verbindung von Lust und Schmerz in der Erzählung wird dabei zum Schlüssel für die Dekonstruktion persönlicher Erfahrungen und der kolonialen wie patriarchalen Narrative der Antarktis.

Die Ausstellung bei soft power ist zugleich Margarete Kiss’ Präsentation ihrer Abschlussarbeit im Master Raumstrategien an der weißensee kunsthochschule Berlin.

Zeitraum
9.1.–12.1.2025
Mit Dank an
MA Raumstrategien (weißensee kunsthochschule berlin), Anton Kats, Pauline Doutreluingne, Leon Lechner, India Mansour/Maxi Bergmann
Fotos
Leon Lechner