A Guide to Softer Ware

Charlotte Rohde, Vera van de Seyp

Die Ausstellung A Guide to Softer Ware ist eine kollektive Erforschung zeitgenössischer (und weniger zeitgenössischer) Sprachen der Instruktion im Kontext des „Frausein“. Ihr eigenes Verhalten als sozialisierte Frauen analysierend, untersuchten Charlotte Rohde und Vera van de Seyp Manuals von Frauen für Frauen, um Regelwerke für das Frausein zu hinterfragen und deren binäre Vorstellung von Gender kritisch zu beleuchten. Die Idee des Handbuchs wird hier als eine (selbst)auferlegte Richtlinie entlarvt, gefangen zwischen dem Imperativ der bedingungslosen Bestätigung durch andere und dem Bedürfnis, für das eigene Narrativ verantwortlich zu sein.

Das Format des Manuals wurde hier als rhetorisches Kon­strukt verwendet, das erforscht, wie sich die sozialen Rollen von Frauen durch das Aufkommen neuer Technologien seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute verändert haben. Mit ihrem gemeinsamen Hintergrund, der von (Schrift-) Design bis hin zu kreativem Coding reicht, dekonstruieren und reprogrammieren Charlotte Rohde und Vera van de Seyp (im wahrsten Sinne des Wortes) diese rhetorischen Mittel der Anweisung/Unterweisung: Von den Formulierungen in technischen Gebrauchsanweisungen der 1960er Jahre für Näh-, Strick- und andere Haushaltsgeräte, die Hausfrauen als neue Zielgruppe ansprechen, bis hin zu Memes und YouTube-Tutorials als Phänomen der heutigen Internet-Kultur der Selbstoptimierung.

Mit ihrem Guide to Softer Ware reflektierten die Künstler­innen das vermeintliche Bedürfnis nach fest- und vor­geschriebener Anleitung und die Formen, die diese in der Vergangenheit angenommen hat und noch immer annimmt. Die Ausstellung bei soft power prä­sentiert neue Arbeiten der beiden Künstlerinnen, die als Handbuch für die Betrachter*innen und gleichzeitig als Schriftproben fun­gieren können. Der Einsatz von Werkzeugen und Typografie, Seife und Metall, Software und Code (und letztlich der Einsatz des Körpers selbst) lud dazu ein, die „softness” zu hinterfragen, die historisch/konventionell/unbewusst bestimmten Materialien und Räu­men, Gender und dessen Konstruktion zugewiesen wird.

Zeitraum
28.8.–9.9.2021
Gefördert von
Stimuleringsfonds NL, Creatieve Industrie
Fördersumme
7.210 €
Arbeitszeitraum
1.7.–30.9.2021
Mit Dank an
Koos Breen, Gilles de Brock, Ewen Guehenneux, Mathias Lempart, Márk Redele, Sascia Reibel, Valerie-Siba Rousparast, Shortnotice Studio, Lila Steinkampf
Fotos
Eike Walkenhorst