Die Ausstellung A Guide to Softer Ware ist eine kollektive Erforschung zeitgenössischer (und weniger zeitgenössischer) Sprachen der Instruktion im Kontext des „Frausein“. Ihr eigenes Verhalten als sozialisierte Frauen analysierend, untersuchten Charlotte Rohde und Vera van de Seyp Manuals von Frauen für Frauen, um Regelwerke für das Frausein zu hinterfragen und deren binäre Vorstellung von Gender kritisch zu beleuchten. Die Idee des Handbuchs wird hier als eine (selbst)auferlegte Richtlinie entlarvt, gefangen zwischen dem Imperativ der bedingungslosen Bestätigung durch andere und dem Bedürfnis, für das eigene Narrativ verantwortlich zu sein.
Das Format des Manuals wurde hier als rhetorisches Konstrukt verwendet, das erforscht, wie sich die sozialen Rollen von Frauen durch das Aufkommen neuer Technologien seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute verändert haben. Mit ihrem gemeinsamen Hintergrund, der von (Schrift-) Design bis hin zu kreativem Coding reicht, dekonstruieren und reprogrammieren Charlotte Rohde und Vera van de Seyp (im wahrsten Sinne des Wortes) diese rhetorischen Mittel der Anweisung/Unterweisung: Von den Formulierungen in technischen Gebrauchsanweisungen der 1960er Jahre für Näh-, Strick- und andere Haushaltsgeräte, die Hausfrauen als neue Zielgruppe ansprechen, bis hin zu Memes und YouTube-Tutorials als Phänomen der heutigen Internet-Kultur der Selbstoptimierung.
Mit ihrem Guide to Softer Ware reflektierten die Künstlerinnen das vermeintliche Bedürfnis nach fest- und vorgeschriebener Anleitung und die Formen, die diese in der Vergangenheit angenommen hat und noch immer annimmt. Die Ausstellung bei soft power präsentiert neue Arbeiten der beiden Künstlerinnen, die als Handbuch für die Betrachter*innen und gleichzeitig als Schriftproben fungieren können. Der Einsatz von Werkzeugen und Typografie, Seife und Metall, Software und Code (und letztlich der Einsatz des Körpers selbst) lud dazu ein, die „softness” zu hinterfragen, die historisch/konventionell/unbewusst bestimmten Materialien und Räumen, Gender und dessen Konstruktion zugewiesen wird.